Wärmepumpen Geschichte: Wie eine 200-jährige Erfindung unsere Heizung prägt

Wussten Sie, dass die Geschichte der Wärmepumpe bis ins Jahr 1834 zurückreicht, als die erste Dampfkompressionsmaschine erfunden wurde? Erstaunlicherweise diente diese frühe Vorläuferin unserer modernen Heiztechnik damals noch der Eisproduktion. Die eigentliche Geburtsstunde der Wärmepumpe, wie wir sie heute kennen, schlug jedoch 1855, als der Österreicher Peter von Rittinger die erste praktisch anwendbare Wärmepumpe konstruierte.

Was ist eine Wärmepumpe eigentlich und wie funktioniert sie? Im Wesentlichen handelt es sich um ein hocheffizientes Heizsystem, das Wärme aus der Umgebung gewinnt und auf ein höheres Temperaturniveau bringt. Die Funktion einer Wärmepumpe ist dabei beeindruckend effizient: Bei typischen Leistungszahlen von 4 bis 5 steht das Vier- bis Fünffache der eingesetzten Leistung als nutzbare Wärmeleistung zur Verfügung. Diese Effizienz wird durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) gemessen – je höher dieser Wert, desto effizienter arbeitet die Anlage.

In der Schweiz hat die Wärmepumpe eine besonders lange Tradition. Tatsächlich wurde die erste Schweizer Wärmepumpe bereits 1877 in der Saline Bex in Betrieb genommen und produzierte beachtliche 175 kg Kochsalz pro Stunde. Ein weiterer Meilenstein folgte 1938 mit der Installation einer Wärmepumpe im Rathaus Zürich, die mit einer Leistung von 100 kW die Limmat als Wärmequelle nutzte. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Technologie stetig weiter, bis sie nach 1998 ihren Durchbruch erlebte – mit einem Marktanteil von über 75% bei Einfamilienhaus-Neubauten.

In diesem Artikel beleuchten wir die faszinierende Entwicklungsgeschichte der Wärmepumpe von ihren Anfängen bis zur Gegenwart und zeigen, wie diese 200-jährige Erfindung heute unsere Heizungstechnik prägt.

Frühe Wärmepumpen: Von der Eismaschine zur Heizquelle (1834–1912)

Die Entwicklung der Wärmepumpe begann paradoxerweise mit der Suche nach besseren Kühltechniken. Der eigentliche Durchbruch kam 1834, als der amerikanische Erfinder Jacob Perkins in England die erste funktionierende Dampfkompressionsmaschine zur künstlichen Eisproduktion baute. Diese mit Äther betriebene Kältemaschine enthielt bereits alle vier Hauptkomponenten einer modernen Wärmepumpe: einen Kompressor, einen Kondensator, einen Verdampfer und ein Expansionsventil. Allerdings hatte der Äther einen entscheidenden Nachteil – in Verbindung mit Luft neigte er zur Bildung explosiver Peroxide. Infolgedessen blieb Perkins’ revolutionäre Erfindung zunächst fast 50 Jahre lang weitgehend unbeachtet.

Dampfkompressionsmaschine von Jacob Perkins (1834)

Perkins’ Kühlgerät pumpte Äther durch Kühlschlangensysteme und fand vorwiegend auf Schiffen Verwendung. Obwohl es primär zur Kühlung konzipiert war, legte es den technischen Grundstein für alle späteren Wärmepumpen. Die Erfindung markierte den Beginn der mechanischen Kälteerzeugung, wenngleich die Explosionsgefahr des Äthers das wirtschaftliche Interesse zunächst bremste.

Brüdenkompression in Salzwerken ab 1850

Ab 1850 begann man, die „warme Seite” dieser Kältemaschinen gezielt zu nutzen – insbesondere für Eindampfprozesse zur Kochsalzgewinnung in Salzwerken. Diese als Brüdenkompression bezeichnete Technik wurde zur ersten Wärmepumpenanwendung überhaupt. Der Hintergrund war pragmatisch: Die Salzgewinnung verschlang enorme Mengen an Brennholz, was vielerorts zu drastischer Abholzung führte. Durch die Verdichtung der bei Eindampfprozessen entstehenden Dämpfe (Brüden) und deren anschliessende Wärmerückgewinnung auf höherem Temperaturniveau konnten beachtliche Energiemengen eingespart werden.

Peter von Rittingers Heizanlage in Ebensee (1857)

Der österreichische Physiker und Mathematiker Peter von Rittinger erkannte diese Problematik und meldete 1853 ein von ihm entwickeltes „Abdampfverfahren” zum Patent an. Seine theoretischen Berechnungen versprachen eine Energieeinsparung von beeindruckenden 80% gegenüber der direkten Beheizung mit Holz. 1856 begann in der Saline Ebensee der Bau eines Versuchsapparates. Ein Jahr später, 1857, ging dort der Prototyp seiner „Dampfpumpe” in Betrieb – die weltweit erste Wärmepumpe für reine Heizzwecke mit einer Leistung von 14 kW. Bei zusätzlichem Antrieb mit Wasserkraft rechnete Rittinger für alle österreichischen Salinen mit einer jährlichen Holzeinsparung von etwa 293.000 m³. Obwohl bahnbrechend, blieb es mit seinem geschlossenen Kreislauf bei einem Experiment – die technische Reife war noch nicht erreicht.

Erste Schweizer Wärmepumpe in Bex (1877)

Vermutlich angeregt durch Rittingers Versuche entwickelten Antoine-Paul Piccard von der Universität Lausanne und der Ingenieur J.H. Weibel aus Genf 1876 die erste wirklich funktionierende Brüdenkompressionsanlage. Diese erste Schweizer Wärmepumpe wurde 1877 in der Saline Bex installiert und produzierte im kontinuierlichen Betrieb beachtliche 175 kg Kochsalz pro Stunde. Im Gegensatz zu Rittingers Anlage wies sie einen offenen Wärmepumpenprozess auf.

Patent von Heinrich Zoelly für geothermische Nutzung (1912)

Den nächsten bedeutenden Meilenstein setzte der Schweizer Ingenieur und Dampfturbinenpionier Heinrich Zoelly. Er erhielt 1912 das Patent für eine elektrisch angetriebene Erdwärmepumpe. Zoelly war damit der Erste, der eine elektrisch betriebene Wärmepumpe mit dem Erdreich als Wärmequelle vorschlug. Allerdings war seine Idee den technischen Möglichkeiten seiner Zeit noch zu weit voraus – die praktische Umsetzung sollte noch Jahrzehnte auf sich warten lassen.

Schweizer Pionierzeit und erste Grossanlagen (1930–1955)

Die Schweiz entwickelte sich in den 1930er bis 1950er Jahren zum führenden Zentrum der Wärmepumpentechnologie. Auslöser waren die erschwerten Energieimporte während und nach dem Ersten Weltkrieg, die das Land zur Suche nach alternativen Heizlösungen zwangen. Bereits um 1918 begannen ernsthafte Diskussionen über die Einführung von Wärmepumpen zu Heizzwecken. Die ersten praktischen Erfahrungen sammelte man in den frühen 1930er Jahren durch die Nutzung der Abwärme von Kälteanlagen für Kunsteisbahnen und Brauereien.

Wärmepumpe im Zürcher Rathaus (1938)

Ein internationaler Meilenstein war die 1938 im Zürcher Rathaus installierte Wärmepumpe. Die Anlage mit einer Wärmeleistung von 100 kW ersetzte zahlreiche Einzelraum-Holzöfen des ehrwürdigen Gebäudes. Der Grund für diese innovative Lösung war pragmatisch: Da das Rathaus in der Limmat steht und keinen Keller besitzt, fehlte schlicht der Platz zur Lagerung von Brennstoffen für eine konventionelle Heizung.

Die von Escher Wyss entwickelte Anlage nutzte das Wasser der Limmat mit einer mittleren Temperatur von 7°C während der Heizperiode als Wärmequelle. Das Flusswasser wurde dabei um etwa 1,5 K abgekühlt. Zur Vermeidung von Lärm und Vibrationen kam ein damals erst kurz zuvor entwickelter Rollkolbenkompressor zum Einsatz. Als Novum für ganz Europa konnte die Anlage im Sommer zudem zur Kühlung genutzt werden.

Bemerkenswert ist die Langlebigkeit dieser Wärmepumpe – sie versorgte das Rathaus 63 Jahre lang bis 2001 mit Heizenergie. Heute gilt sie als älteste noch funktionierende Wärmepumpe der Welt und wird wöchentlich für eine Stunde betrieben, um sie “am Leben” zu erhalten. Mehr dazu lesen Sie unter: https://www.stiebel-eltron.ch/de/home/magazin/geschichte-waermepumpe.html

60 Anlagen in der Schweiz während der Kohleknappheit

In der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kohleknappheit in der von faschistischen Ländern umringten neutralen Schweiz besonders bedrohlich. Infolgedessen wurden zwischen 1937 und 1945 rund 35 Wärmepumpen in der Schweiz gebaut und in Betrieb genommen. Bis 1955 kamen noch etwa 25 weitere Anlagen hinzu, sodass insgesamt rund 60 Wärmepumpen installiert wurden.

Die Haupthersteller dieser Pionieranlagen waren die Schweizer Unternehmen Sulzer und Escher Wyss sowie Brown Boveri. Die grösste Anlage erreichte eine beachtliche Wärmeleistung von rund 6 MW. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Entwicklung jedoch zum Erliegen – vornehmlich wegen der wieder sinkenden Ölpreise.

Nutzung von Seewasser, Flusswasser und Abwärme

Als Wärmequellen für diese frühen Grossanlagen dienten hauptsächlich Seewasser, Flusswasser, Grundwasser und Abwärme. Ein herausragendes Beispiel war die Wärmepumpenanlage an der Walche in Zürich, die die Limmat als Wärmequelle nutzte. Diese Anlage verfügte über eine Gesamtwärmeleistung von 5,86 MW und bestand aus zwei “Thermoblock”-Wärmepumpen mit Radialkompressoren zu je 2 MW von Brown Boveri sowie einer 1,86-MW-Wärmepumpe mit drei dreistufigen Kolbenverdichtern von Sulzer.

Eine besondere Ingenieurleistung stellte dabei die weltweit erste Integration einer Wärmepumpenanlage in ein Fernheiznetz dar, verbunden mit einem hohen Temperaturhub auf 71°C. Auch andere Gebäude in Zürich folgten dem Beispiel des Rathauses. So entschied der Stadtrat, das neue Hallenbad City mit Wärmepumpen zu beheizen, die die Abwärme aus der benachbarten Transformatorenstation nutzten. Ein weiteres System gewann Wärme aus dem Seewasser des Schanzengrabens.

Die Schweizer Pionierleistungen dieser Zeit legten den Grundstein für die moderne Wärmepumpentechnik und zeigten bereits früh das grosse Potenzial dieser Technologie für eine unabhängigere Energieversorgung.

Technologische Meilensteine der Nachkriegszeit (1950–1990)

Die Nachkriegszeit markierte für die Wärmepumpentechnologie eine Phase bedeutender technischer Innovationen, die allerdings durch wirtschaftliche Schwankungen immer wieder ausgebremst wurde. Diese Periode brachte entscheidende Fortschritte, die das Fundament für moderne Wärmepumpen legten.

Einführung von Scroll- und Schraubenkompressoren

Ein bedeutender technologischer Meilenstein in der Geschichte der Wärmepumpe war die Entwicklung neuartiger Kompressoren. Besonders hervorzuheben ist der Schraubenkompressor, der als einzig wirklich neue Maschine dieser Zeitperiode gilt. Die Firma Svenska Rotor Maskiner AB (vormals Ljungstroms Angturbin) leistete grundlegende Entwicklungsarbeit und vergab später Lizenzen an fast alle Schraubenkompressorhersteller. Dank der Öleinspritzung konnte das erreichbare Druckverhältnis deutlich erhöht werden, was den Schraubenkompressor ab 1958 für die Kältetechnik praktikabel machte. In den 1970er Jahren entwickelte Bernhard Zimmern in Paris zudem den innovativen “Mono-Schraubenverdichter” mit nur einer Welle und zwei Verdrängerrädern.

Die industrielle Herstellung von Scroll- und Schraubenkompressoren wurde erst in den 1980er Jahren durch hochgenaue, computergesteuerte Fertigungstechnik möglich. Diese neuen Kompressortypen waren nicht nur leistungsfähiger, sondern auch deutlich kleiner als ihre Vorgänger. Insbesondere die Scroll-Verdichter entwickelten sich für kleinere Geräte bald zum Standard, da sie kostengünstiger und leiser als Hubkolbenverdichter waren.

Mikroprozessoren für Regelungstechnik

Ein weiterer wichtiger Meilenstein der 1980er-Jahre war die Einführung der Mikroprozessoren, welche bessere Regelungsstrategien ermöglichten. Die ersten Computer kamen bereits in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren in der Kältetechnik zum Einsatz und lösten einen enormen technologischen Wandel aus. Ursprünglich revolutionierten sie die Berechnung der Anlagen und ersetzten Rechenschieber, Logarithmentafeln und mechanische Rechenmaschinen. Brown Boveri führte mit dem System “ULMA” Anfang der 1970er Jahre das weltweit erste kommerzielle Online-Überwachungssystem ein. Diese Entwicklung legte den Grundstein für die spätere computergestützte Optimierung von Wärmepumpen.

Stagnation durch billiges Erdöl in den 60ern

Trotz dieser technischen Fortschritte kam es in den 1950er und 1960er Jahren zu einer Stagnation in der Wärmepumpenentwicklung. Die stetig fallenden Erdölpreise und gleichzeitig steigenden Preise für elektrische Energie führten zu einem drastischen Rückgang der Wärmepumpen-Verkäufe. In dieser Periode waren für Wärmepumpen im Allgemeinen keine akzeptablen Amortisationszeiten mehr erreichbar. Wärmepumpeninstallationen beschränkten sich daher bis 1973 auf Spezialfälle mit besonders günstigen Randbedingungen. Durch den Erfolg der Klimatisierungsgeräte blieb das Wärmepumpen-Know-how dennoch erhalten.

Wärmepumpenboom nach Ölkrise 1973

Das Jahr 1973 wurde zu einem der bedeutendsten Wendepunkte in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Arabische OPEC-Mitglieder beschlossen, die Öllieferungen an westliche Staaten zu reduzieren. Dieses Erdölembargo wirkte sich mit einer globalen Rezession und hoher Inflation verheerend auf die Weltwirtschaft aus. Bis zum Ende des Embargos im März 1974 waren die Ölpreise um über 300% gestiegen.

Infolgedessen erhielten alternative Energien und der rationelle Energieeinsatz plötzlich hohe öffentliche Priorität. Diese Tendenz wurde durch die zweite Erdölkrise 1979 und den Krieg zwischen Iran und Irak 1980 noch verstärkt. Es kam zu einem regelrechten Wärmepumpenboom. In Frankreich waren bereits 1973 rund 200 Wärmepumpen installiert. Zahlreiche Hersteller wie Waterkotte, Stiebel Eltron und Viessmann brachten ihre ersten Wärmepumpenmodelle auf den Markt. Allerdings fand dieser Boom aufgrund zu vieler inkompetenter Anbieter und dem nächsten Ölpreiszerfall nach 1981 gegen Ende der 1980er-Jahre ein jähes Ende.

Kältemittel im Wandel: Von FCKW zu natürlichen Alternativen

Die Wahl des richtigen Kältemittels stellt einen oft übersehenen, jedoch entscheidenden Aspekt in der Entwicklungsgeschichte der Wärmepumpe dar. Während die technischen Komponenten stetig verbessert wurden, vollzog sich parallel ein dramatischer Wandel bei den verwendeten Arbeitsmedien.

Gefährliche Stoffe: Ammoniak, SO2, CH3Cl

Die frühen Kältemaschinen nutzten Arbeitsstoffe, die für ihre kühlenden Eigenschaften bei Verdampfung bekannt waren. Zunächst kamen hauptsächlich Ammoniak (NH3), Schwefeldioxid (SO2) und Methylchlorid (CH3Cl) zum Einsatz. Diese Substanzen wiesen allerdings erhebliche Nachteile auf: Sie waren entweder toxisch, korrosiv oder leicht entflammbar. Besonders Ammoniak wird aufgrund seiner Toxizität bis heute als Gefahrenpotential für Mensch und Umwelt eingestuft, ist jedoch in der Schweiz nach wie vor das am häufigsten eingesetzte Kältemittel bei Industrieanlagen.

FCKW und das Montreal-Protokoll (1987)

Ab 1930 kamen die ersten “Sicherheitskältemittel” auf den Markt – vollhalogenierte Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) wie R11 und R12. Diese galten lange als ideal, da sie weder brennbar noch giftig waren. Erst in den 1970er Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass FCKW die Ozonschicht in der Stratosphäre schädigen. Dies führte 1987 zum Montreal-Protokoll, einem wegweisenden internationalen Umweltabkommen, das von 24 Staaten einschliesslich der Europäischen Gemeinschaft unterzeichnet wurde. Die Vereinbarung verpflichtete die Unterzeichner zum schrittweisen Ausstieg aus ozonschädigenden Substanzen. In der EU wurden FCKW schliesslich 1989 verboten.

Einführung von R-134a und Rückkehr zu Propan (ab 1993)

Als Ersatz für FCKW wurden zunächst Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) wie R134a eingeführt. Diese schädigten zwar nicht die Ozonschicht, besassen jedoch ein hohes Treibhauspotenzial. Bereits 1993 entstand in Deutschland der erste Kühlschrank, der mit umweltfreundlicheren Kohlenwasserstoffen wie Propan und Isobutan arbeitete. Seither geht der Trend klar in Richtung natürlicher Kältemittel. Propan (R290) mit seinem niedrigen Treibhauspotenzial wird inzwischen als bevorzugtes Kältemittel für Wärmepumpen in Ein- und Zweifamilienhäusern angesehen, obwohl es als leicht entflammbar gilt.

TEWI-Wert als Mass für Umweltwirkung

Für eine ganzheitliche ökologische Bewertung von Wärmepumpen wurde der TEWI-Wert (Total Equivalent Warming Impact) entwickelt. Dieser berücksichtigt nicht nur die direkten Emissionen durch Kältemittelleckagen, sondern auch die indirekten CO2-Emissionen durch den Stromverbrauch der Anlage. Interessanterweise machen bei Anlagen mit deutschem Strommix die indirekten Emissionen und damit die Energieeffizienz den entscheidenden Teil der Umweltwirkung aus. Der TEWI-Ansatz verdeutlicht: Es gibt kein perfektes Kältemittel für jede Anwendung – vielmehr muss für jeden Einsatzzweck die optimale Lösung gefunden werden.

Moderne Wärmepumpen und ihre Rolle in der Energiewende

Nach der Jahrtausendwende erfuhr die Wärmepumpentechnologie einen beeindruckenden Aufschwung und entwickelte sich vom Nischenprodukt zum Standardheizsystem. Mittlerweile ist klar, dass die technischen Anwendungsmöglichkeiten wesentlich vielfältiger sind als ursprünglich angenommen – vom Neubau über den Altbau bis hin zu ganzen Quartieren.

Marktanteil über 75 % bei Neubauten seit 1998

Nach 1998 wuchs der Marktanteil für Wärmepumpen bei Einfamilienhaus-Neubauten auf über 75%. Diese Entwicklung setzte sich kontinuierlich fort, wobei in Deutschland inzwischen jedes zweite neu gebaute Haus mit einer Wärmepumpe ausgestattet wird. Die deutsche Wärmepumpen-Branche beschäftigt rund 35.000 Personen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro. Insgesamt sind in der Schweiz heute etwa 450.000 Wärmepumpen installiert.

Integration in Smart Home und IoT

Eine bedeutende Weiterentwicklung ist die Einbindung moderner Wärmepumpen in digitale Haussteuerungssysteme. Alle führenden Hersteller bieten inzwischen App-Steuerung an, wodurch eine ortsunabhängige Bedienung möglich wird. Als Smart Home bezeichnet man digital vernetzte Haustechnik, bei der die Komponenten entweder aktiv per App gesteuert oder automatisch über Sensoren reguliert werden.

Besonders zukunftsweisend ist die Integration in intelligente Stromnetze (“Smart Grids”), die zukünftig dabei helfen, erneuerbare Energien besser ins Stromnetz zu integrieren. Die Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten erfolgt über standardisierte Protokolle wie:

  • WLAN/Ethernet für direkte Internetanbindung
  • SG Ready-Schnittstelle für Energiemanagementsysteme
  • EEBUS-Protokoll für herstellerübergreifende Kommunikation

Kombination mit Photovoltaik

Besonders effizient arbeiten Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaikanlagen. Während eine Wärmepumpe bereits 75% des Energiebedarfs für Heizen und Warmwasser mit Umweltenergie abdeckt, kann der verbleibende Stromanteil durch selbst erzeugten Solarstrom gedeckt werden. Dadurch werden Haushalte bis zu 70% unabhängig vom Energieversorger.

Intelligente Energiemanagementsysteme koordinieren dabei die Stromerzeugung mit dem Heizbedarf: Bei Stromüberschuss schaltet sich die Wärmepumpe ein und speichert überschüssige Energie als Wärme im Pufferspeicher. Durch diese Kopplung können jährliche Eigenverbrauchsanteile von bis zu 70% erreicht werden.

Förderprogramme und CO2-Einsparung

Wärmepumpen sind ein wesentlicher Bestandteil der Strategie zur Reduzierung von Energieverbrauch und CO₂-Emissionen. Unabhängige Studien des Fraunhofer-Instituts prognostizieren, dass nicht mehr Gas- und Ölheizungen, sondern elektrische Wärmepumpen 2050 die vorherrschende Heiztechnik sein werden.

Um die Anschaffung zu fördern, bieten viele Länder umfangreiche Förderprogramme an. In der Schweiz unterstützen Bund und Kantone den Ersatz fossiler Heizungen durch Wärmepumpen mit bis zu 9.000 Franken. Auch in Deutschland sind Zuschüsse von bis zu 70% möglich – maximal 21.000 Euro.

Schlussfolgerung

Die Geschichte der Wärmepumpe zeigt eindrucksvoll, wie eine über 200 Jahre alte Erfindung heute zu einer Schlüsseltechnologie der Energiewende geworden ist. Zunächst als Kältemaschine konzipiert, hat sich die Wärmepumpe zu einer hocheffizienten Heizlösung entwickelt, die besonders in der Schweiz früh Anwendung fand.

Bemerkenswert ist dabei der Einfluss wirtschaftlicher und politischer Faktoren auf die Entwicklung dieser Technologie. Nach den Ölkrisen der 1970er Jahre erlebte die Wärmepumpe einen ersten Aufschwung, bevor niedrige Ölpreise das Interesse vorübergehend dämpften. Gleichzeitig führte das wachsende Umweltbewusstsein zu einem Umdenken bei den verwendeten Kältemitteln – weg von umweltschädlichen FCKW hin zu natürlichen Alternativen wie Propan.

Technologisch hat die Wärmepumpe enorme Fortschritte gemacht. Die Einführung von Scroll- und Schraubenkompressoren sowie die Integration digitaler Steuerungstechnik haben nicht nur die Effizienz gesteigert, sondern auch die Einsatzmöglichkeiten deutlich erweitert. Dank dieser Entwicklungen sind Wärmepumpen heute selbst für Altbauten und ganze Quartiere geeignet.

Besonders vielversprechend erscheint die Kombination mit Photovoltaikanlagen und die Integration in Smart Home-Systeme. Dadurch wird die Wärmepumpe zum zentralen Bestandteil eines vernetzten, energieeffizienten Hauses und ermöglicht einen höheren Grad an Energieautarkie.

Angesichts der aktuellen Klimaziele und staatlicher Förderprogramme dürfte die Erfolgsgeschichte der Wärmepumpe weitergehen. Unabhängige Studien prognostizieren, dass sie bis 2050 zur vorherrschenden Heiztechnologie werden wird. Damit schliesst sich ein faszinierender Kreis: Was einst als Kältemaschine begann, wird unsere Zukunft wärmen – effizienter und umweltfreundlicher als je zuvor.

FAQs

Q1. Wann wurde die erste praktisch anwendbare Wärmepumpe entwickelt? Die erste praktisch anwendbare Wärmepumpe wurde 1855 vom österreichischen Physiker Peter von Rittinger konstruiert. Sie diente zur Energieeinsparung bei der Salzgewinnung.

Q2. Welche Rolle spielte die Schweiz in der frühen Entwicklung der Wärmepumpentechnologie? Die Schweiz war ein Pionier in der Wärmepumpentechnologie. 1938 wurde im Zürcher Rathaus eine wegweisende Wärmepumpe installiert, die das Wasser der Limmat als Wärmequelle nutzte. Bis 1955 wurden in der Schweiz etwa 60 Wärmepumpenanlagen in Betrieb genommen.

Q3. Wie haben sich die verwendeten Kältemittel in Wärmepumpen im Laufe der Zeit verändert? Anfangs wurden gefährliche Stoffe wie Ammoniak und Schwefeldioxid verwendet. Ab 1930 kamen FCKW zum Einsatz, die jedoch die Ozonschicht schädigten. Heute werden umweltfreundlichere Alternativen wie Propan bevorzugt.

Q4. Welche technologischen Fortschritte haben moderne Wärmepumpen effizienter gemacht? Die Einführung von Scroll- und Schraubenkompressoren sowie die Integration von Mikroprozessoren für die Regelungstechnik haben die Effizienz von Wärmepumpen deutlich verbessert. Auch die Kombination mit Photovoltaikanlagen und Smart Home-Systemen hat zur Steigerung der Effizienz beigetragen.

Q5. Wie sieht die Zukunft der Wärmepumpentechnologie aus? Experten prognostizieren, dass Wärmepumpen bis 2050 zur vorherrschenden Heiztechnologie werden. Die Integration in Smart Grids und die Kombination mit erneuerbaren Energien wie Photovoltaik werden eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen. Staatliche Förderprogramme unterstützen diese Entwicklung zusätzlich.